Behandlungsfehler: Patientensicherheit hat Priorität

Insgesamt 1.471 Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Nordrhein im Jahr 2018 erstellt. In 23,4 Prozent der Fälle hat sich der Verdacht bestätigt.

In jedem fünften Gutachten (18,4 Prozent) wiesen die MDK-Experten aus Nordrhein einen Behandlungsfehler nach, aus dem für die Patientin oder den Patient ein Schaden entstanden ist. Das waren 270 Fälle. In fünf Prozent der Fälle lag zwar ein Behandlungsfehler vor, doch es entstand kein Schaden.

Im Interesse der Patienten plädiert der MDK Nordrhein für eine Sicherheitskultur, bei der Fehler offengelegt und ausgewertet werden. „Nur wer die Fehler kennt, sie systematisch erfasst und darüber redet, kann aus Fehlern lernen und sie künftig vermeiden“, sagt Dr. Klaus-Peter Thiele, Leitender Arzt des MDK Nordrhein.

Viele Fehler könnten mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden. „Das gilt vor allem für Fehler, die leicht zu vermeiden sind, aber schwerwiegende Folgen haben können – zum Beispiel Seitenverwechslungen bei Operationen. Markierungen oder Checklisten könnten dies verhindern, werden aber nicht immer genutzt“, erklärt Thiele.

Mit 988 Gutachten beziehen sich die meisten Vorwürfe auf Behandlungen im Krankenhaus, bei denen in 20,3 Prozent der Fälle ein Behandlungsfehler nachgewiesen wurde. Im ambulanten Bereich ist mit 483 die Anzahl der Vorwürfe deutlich geringer – dort ist es in 29,6 Prozent der Fälle zu einem Behandlungsfehler gekommen.

Beim Blick auf die medizinischen Fachbereiche zeigt sich, dass bei den vermuteten Behandlungsfehlern die großen operativen Fachgebiete vorne liegen. Die höchste Bestätigungsquote an Behandlungsfehlern betrifft jedoch die Zahnmedizin mit 30,5 Prozent. Es folgen die Fachgebiete Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit 28,1 Prozent sowie die Orthopädie und Unfallchirurgie mit 21,4 Prozent.

Für Patientinnen und Patienten gilt: Sie können sich bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler an ihre Krankenkasse wenden. Bei der Frage nach Schadensersatzansprüchen arbeiten die Krankenkassen eng mit den MDK zusammen. Das MDK-Gutachten ist für die Patienten kostenfrei.

Fragen zu Behandlungsfehlervorwürfen werden im MDK Nordrhein durch spezialisierte Gutachterteams bearbeitet. Die Gutachterinnen und Gutachter gehen bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler der Frage nach, ob die Behandlung nach dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft durchgeführt worden ist. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin gegen die Verpflichtung, die hieraus erwächst, verstößt, also die Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht durchführt, dann handelt es sich um einen Behandlungsfehler.

Hintergrund

Bundesweit haben die MDK 14.133 Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen erstellt. Die MDK-Zahlen zeigen nur einen kleinen Ausschnitt an Behandlungsfehlern. Zahlreiche Fälle sind unbekannt: Zum einen werden sie in Deutschland nicht zentral erfasst, zum anderen werden sie von betroffenen Patientinnen und Patienten nicht als Fehler erkannt.

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